
Verleihung des Hansel-Mieth-Preises 2026: Ein herausragendes journalistisches Ereignis und wir waren dabei!
Einmal im Jahr kommen nationale Größen des deutschen Qualitätsjournalismus im beschaulichen Fellbach zusammen, um bei der Verleihung des Hansel-Mieth-Preises dabei zu sein.
„Hansel-Mieth-Preis“ sagt Ihnen nichts? Uns bisher auch nicht, deshalb ein paar Worte vorweg: Hansel - eigentlich Johanna -Mieth wurde 1909 in Oppelsbohm, einem kleinen Pfarrdorf der Gemeinde Berglen im Rems-Murr-Kreis geboren und wuchs in Fellbach in einfachen Verhältnissen in einer streng pietistischen Familie auf. Um der Enge der Familie zu entkommen, machte sich Hansel gemeinsam mit ihrem Freund Otto Hägele, später Hagel, mit ihrem Fahrrad auf ans Mittelmeer nach Italien, Frankreich, Spanien. Weitere, noch größere Reisen folgten. 1928 flüchtete Otto Hagel vor dem aufziehenden Unheil des Nationalsozialismus, Hansel folgte ihm zwei Jahre später. Mit einer gebraucht gekauften Leica fotografierten und dokumentierten die Beiden das entbehrungsreiche Leben der Arbeiter auf Baumwoll- und Obstplantagen, die Not ethnischer Minderheitsbevölkerung und Arbeitskämpfe. Solche sozialkritische Themen prägten ihr gesamtes Arbeitsleben, auch als Hansel Mieth eine Anstellung beim Magazin Time in New York und später in der Life-Redaktion fand. Otto Hagel blieb freier Fotograf, 1940 heirateten die Beiden. 1950 kehrten sie für einen Auftrag von Life zurück in ihren Heimatort Fellbach: Die Reportage „We return to Fellbach” erschien am 26. Juni 1950. Nach ihrer Rückkehr auf ihre Ranch in Santa Rosa, Kalifornien, gerieten sie 1952 ins Visier von Kommunistenjägern, weigerten sich, vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe zu erscheinen und kamen so auf eine inoffizielle Schwarze Liste. Das führte dazu, dass sie keine journalistischen Aufträge mehr erhielten und sich ihren Lebensunterhalt mit Hühnerhaltung verdienen mussten. Otto Hagel starb 1973; Hansel Mieth lebte und arbeitete bis zu ihrem Tod 1998 auf der Ranch. Die sozialkritischen Reportagen des Paares blieben in Erinnerung. Deshalb vergibt die 1984 gegründete Reportagen-Agentur Zeitenspiegel aus Weinstadt seit 1998 zur Erinnerung an ihr Ehrenmitglied Hansel Mieth alljährlich den Hansel-Mieth-Preis an Journalist*innen und Fotograf*innen für herausragende engagierte Reportagen.
Geehrt wurden dieses Jahr die Autorin Julia Kopatzki und der Fotograf Roderick Aichinger für ihre Reportage „Endlich allein”, erschienen im Spiegel 36/2025. Eine Woche lang hatte das Reporterteam Jugendliche im Zeltlager in Italien begleitet und tiefere Einblicke in das Selbstverständnis und Seelenleben der Jugendlichen gewinnen können. Teile dieser Reportage wurden vorgelesen von der Schauspielerin Eva Hosemann, seit 2020 künstlerische Leiterin der Burgfestspiele Jagsthausen. Welch ein Hörgenuss, untermalt mit ausdrucksstarken Fotos der prämierten Reportage. Ein Genuss war auch die Festrede, die kein geringerer als Dr. Gregor Peter Schmitz hielt, Vorsitzender der Chefredaktionen von Stern, Geo und Capital. Er hob die herausragende Bedeutung und auch die Verantwortung von Qualitätsjournalismus in Zeiten von KI, von Fakes und Fakten hervor. Durch den gesamten Abend führte Dr. Nabil Atassi vom SWR.
Welch eine Ehre für uns A-Cappella Ladies, diese unter Reporter*innen und Journalist*innen so bedeutsame Preisverleihung musikalisch umrahmen zu dürfen. Als wir mit „Bohemian Rapsody” diesen wunderbaren Abend ausklingen ließen, wollte der Applaus kein Ende nehmen. Wir hätten „dem Abend die Würze gegeben”, ihm „Eleganz und Schwung verliehen”, waren nur zwei von vielen Komplimenten, die wir beim Sektempfang entgegennehmen durften.
Unser Dank gilt dem Veranstalter, „Zeitenspiegel Reportagen” in Weinstadt. Gerne wieder!
Text: Kerstin Metz
Fotos: Ralf Swirsky

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hansel_Mieth
http://www.thomas-scharnowski.de/HanselMiethOttoHagel/index.htm

